Blogparade Mama ausgebrannt – Wege aus der Krise. Wie ein Sommer dich im Innersten verändert. #Diez #Kurmädels #MutzumLeben #Mutter-Kind-Kur #MamaBurnOut

Am 11. August 2016 lese ich von der Blogparade Mama ausgebrannt – Wege aus der Krise meiner Netzwerkkollegin Isabel Falconer. Und denke: oh, gutes Thema! Und Gott sei Dank, habe ich noch etwas Zeit…

Am 14. August 2016 packe ich. Klamotten, Schlafsäcke, Badesachen, etwas zum Lesen – nichts zum Arbeiten 😉

Am 15. August 2016 fahre ich mit meinen beiden Kindern (mittlerweile 11 und 13) mit dem Zug nach Rheine – gefühlt zum A…. der Welt. Am Bahnhof falle ich A. in die Arme – wir haben uns seit über einem Jahr nicht gesehen. Die Schöne aus dem Norden. Und was soll ich sagen, die Tränen flossen – auch jetzt beim Schreiben 🙂

Am 17. August 2016 schreibe ich dann diesen Blogartikel, an einem wunderbar entspannenden Ort, umgeben von „meinen Mädels“ (dazu gleich mehr) und mit vielen Erinnerungen an harte, gute, verändernde Zeiten:

„Wie habe ich nur mein hektisches Leben früher ausgehalten?“ Das war der letzte Satz auf einer Postkarte an eine Freundin. Ich bin für einige Tage mit meinen Kindern im Emsland, zu einem Kurzurlaub der besonderen Art. Hier treffen sich vier Freuen mit ihren Kindern (insgesamt 10 1/2) und zwei Ehemännern. Am 3.6.2015 habe ich die anderen drei bei einer 3-wöchigen Mutter-Kind-Kur kennengelernt. Als wir gestern Abend bei Bier und Wein vorm Haus saßen, sagte C. „Wenn wir uns nicht in der Mutter-Kind-Kur kennen gelernt hätten, …“ Schweigen, der Satz bringt ab. „Ich habe heute mal überlegt, was jede von uns so kennzeichnet, was uns jeweils ausmacht“. Klar ist und das erklärt vielleicht, warum der erste Satz abgebrochen wurde, wir sind sehr unterschiedlich! Die alleinerziehende hanseatische Bikerin, die ehemalige Schweinezüchterin mit Hof und harmonischer Familie, die Bodensee-Perle mit Patchworkfamilie und die alleinerziehende Kölnerin mit Teilzeitbrötchenjob und nebenberuflicher Selbständigkeit.

Aber etwas hat uns verbunden: Erschöpfung. Dieser Artikel ist Teil einer Blogparade, die klar macht: Mutter sein ist ein Job, der Frau fordert und an ihren Kräften zieht und dieses Ziehen bringt uns auch mal an den Rand dessen, was geht. Mama-BurnOut gibt es wirklich und das Thema gehört in die Öffentlichkeit! Isabel schreibt in der Beschreibung für ihre Blogparade, dass in 2015 die Zahlen der Mutter-Kind-Kuren angestiegen sind. Zu Recht! Und wir vier, die sich in diesem Sommer treffen gehörten dazu. Erschöpfung war also unser verbindendes Element. Waren unsere Hintergründe noch so unterschiedlich, war doch das Grundgefühl im Leben gleich. Wir waren unendlich müde. Wenn ich auf meine Geschichte zurück schaue, kann ich sagen, dass ich mit sehr hohen Erwartungen an mich selber in die Mutterschaft gegangen bin. Ich war gewillt, mich 100% in die neue, lange ersehnte und ja auch selbst gewählte Rolle zu begeben. Ich wollte es richtig machen. Aber mein guter Wille und meine Persönlichkeit harmonisierten nicht. Und so wurde ich das, was man entweder freiwillig wird oder weil es finanziell nicht anders geht: eine berufstätige Mutter. Ich bekenne: mir ist die Decke auf den Kopf gefallen! Mir war langweilig! Meine Welt war zu klein geworden und ich war zwar glücklich mit meiner Familie, aber kreuzunglücklich in meinem Dasein. Ich kenne sehr sehr viele Frauen, bei denen ist die Motivation doppelt gelagert. Frau will gerne dem Beruf nachgehen, den man gelernt hat, in dem man gut ist und sich wohlfühlt. Und gleichzeitig wird oft das Geld gebraucht! Verständnis erhalten leider doch eher die Mütter, die einfach arbeiten gehen, weil sie müssen. Ich wollte arbeiten. Da war das Verständnis oft nicht da. Ich kenne die Blicke und die Anspielungen und auch die offenen Ansagen von wegen „die muss sich selbst verwirklichen“. Das tat oft weh. Ja, vielleicht wollte ich das. Was ich mir wünschte war ein Leben, in dem ich nicht auf eine Sache reduziert wurde. Ich wollte Mutter sein UND meinem Beruf nachgehen, in dem ich viel Freunde fand, Bestätigung, in dem ich auf anderer Ebene gefordert war.

Kürzlich ging ein Artikel durchs Netz, der (wie auch ein Buch, dessen Artikel mir entfallen ist), die Vereinbarkeitslüge zum Thema machte. Ich weiß nicht, ob es wirklich eine Lüge ist, vielleicht eine Mär? Es ist eine schöne Vorstellung, dass man schon irgendwie alles gut organisiert bekommt. Es ist verdammt hart. Für mich war es hart! Nicht nur, weil ich lernen musste, meinen Alltag mit zwei Kindern als Alleinerziehende zu organisieren. Zwei von unserer Kur-Clique sind alleinerziehend, zwei in festen und stabilen Partnerschaften. Und doch sind wir alle letzten Sommer in der Kurklinik gelandet! Was hat sich verändert in diesem Jahr? An den äußeren Bedingungen recht wenig. Wenn ich auf mich schaue: ich habe zu der Zeit, als ich in Kur ging den Entschluss gefasst, mit meiner Selbständigkeit ernst zu machen und Gas zu geben – es wurde eher schlimmer 😉 Bei den anderen? Es wurde ein Haus gebaut, Sorgerechtsstreitigkeiten in Endlosschleife durchgefochten, ein landwirtschaftlicher Betrieb umstrukturiert, ein Kind gezeugt, der langersehnte Weg aus der Arbeitslosigkeit geschafft, Beziehungen gefestigt, Konflikte gelöst… Aber es wurde ein Gang zurück geschaltet in dem ganzen Aufbruch und Neuland, den Aufgaben und Wagnissen. Es wurde gelernt NEIN zu sagen. Wir haben alle auf unsere je eigene Art gelernt, wieder auf uns und unsere Bedürfnisse, auf unsere Gaben und Möglichkeiten, aber auch auf unsere Grenzen zu schauen. Warum das wichtig ist? Weil Frauen auch Verständnis haben, wenn der Mann mit 40-Stunden-Woche nach der Arbeit ko ist. Weil Frauen selbstverständlich ihre Kinder zum Schwimmkurs fahren, zu Verabredungen bringen, sich um Schulkram kümmern, Arztbesuche organisieren, für frische Wäsche im Schrank sorgen, das Geschenk für die Schwiegermutter besorgen, den Kindergeburtstag auf die Beine stellen, Tränen trocknen, Nachts am Bett sitzen, aus dem eigenen aufstehen, wenn sie gebraucht werden, – weil sie eben MUTTER sind. Und als Mutter muss Frau lernen, dass diese Rolle ihr Leben so sehr verändert und beeinflusst, dass sie viel intensiver auf sich selbst schauen sollte! In der Mutter-Kind-Kur wurde ich drei Wochen verwöhnt. Ich konnte mich drei mal am Tag an den gedeckten Tisch setzen. Meine Kinder wurden super betreut. Sind zur Schule gegangen und fanden das mal gar nicht schlimm. Ich durfte Sport machen und hatte Zeit dafür. Unser Appartment wurde geputzt, ich hatte Ohren, die mir zuhörten, ich malte, saß in Stille, entspannte meine Muskeln, ging spazieren, konnte viel schlafen… es war ein großes Geschenk! Und Gott sei Dank hat mein Umfeld zum richtigen Zeitpunkt gesagt „Annette, es wird Zeit. Lass dich krank schreiben.“ Und die Ärztin leitete sofort den Kurantrag ein. Ich bin dankbar. Nicht nur für meine vier wunderbaren Kur-Mädels, die mein Leben in ihrer Unterschiedlichkeit so sehr bereichern. Sondern für eine Auszeit die mir meine Prioritäten im Leben gezeigt hat und mich wieder fühlen lies, wie sich erholt sein anfühlt! Frauen: geht in Mutter-Kind-Kur, ganz gleich, wie alt eure Kinder sind! Gönnt euch das! Ihr habt es alle verdient. Wer über dieses Thema, über das Gefühl der Erschöpfung, über Müdigkeit… sprechen will – melde dich! Gerne bei mir. Rede mit deinem Arzt. Geh zur Krankenkasse. Schwäche ist kein Makel. Nur wer Schwäche kennt, kann Stärke schätzen 🙂

1120 Wörter bis hierher. Selten sind Blogeinträge so lang… wenn du noch nicht genug hast, kannst du den Blogartikel zur Parade von Schokominza auf Mutterfreu(n)de lesen. Oder du schaust bei Isabel Falconer auf ihrem Blog vorbei. Dort findest du Gastbeiträge zum Thema. Teile auch gerne diesen Artikel, wenn du denkst, dass Mutter-Kind-Kuren immer noch den Makel von „ich doch nicht“ oder „das bringt doch nichts“ tragen!

ps- das Beitragsbild ist auf meinem ersten Spaziergang in der Mutter-Kind-Kur entstanden 🙂

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