in eigener Sache: Coaching & Achtsamkeit. Über Glaubenssätze und Anhaftungen

Glaubenssätze sind Anhaftungen! Ich werde hin und wieder gefragt, hat deine Achtsamkeit etwas mit deinem Coaching zu tun? Ich erkläre dann oft, dass ich nicht Achtsamkeit „coache“, aber das meine achtsame Haltung mein Coaching beeinflusst. Ich würde sagen: bereichert.

Und ich sehe in einigen Grundaussagen der Achtsamkeitslehre Parallelen zu Themen, die im Coaching immer wieder auftauchen. Ein großes Thema sind Glaubenssätze und Antreiber.

In der Achtsamkeitslehre gibt es die Rede von den Anhaftungen. Dahinter steht die Sicht, dass wir Menschen oft entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft verhaftet sind. Wir hängen mit unseren Gedanken oft NICHT in der Gegenwart. Wir lassen uns vom Hier und Jetzt ablenken, in dem wir entweder bei Dingen sind, die schon passiert sind, die in der Vergangenheit liegen, aber nicht abgeschlossen sind. Oder wir sind ständig bei etwas, das in der Zukunft liegt. Oft sind wir bei den zukünftigen Dingen mit Hypothesen, mit Annahmen oder Befürchtungen beschäftigt und vernachlässigen den Augenblick jetzt, in dem wir vielleicht wichtige Dinge tun könnten, die diesen Befürchtungen entgegenwirken könnten.

Dieses Verhaftet sein macht unfrei. Genauso kennen wir es von Glaubenssätzen. Wir tragen erlernte Wahrheiten in uns. Und oft sind es ganz schlichte Sätze. „Künstler sind faul“. „Selbständige haben viel Geld und müssen nichts dafür arbeiten“. „Kinder sollen Erwachsenen nicht widersprechen“. „Frauen sollen Kinder bekommen“. „Die Ehe ist heilig“. …. Es können kleine oder auch sehr große Dinge sein, von denen wir gelernt haben, sie seien wahr. Schon in sehr frühen Jahren lernen wir diese Botschaften und verinnerlichen sie so sehr, dass sie uns oft im Erwachsenenalter gar nicht bewusst sind. Aber sie beeinflussen unser Denken und Handeln! Und oft in einer unguten Art.

Wir sind dann verhaftet in inneren Wahrheiten und schaffen es nicht, diese Wahrheiten anzuzweifeln, zu hinterfragen und vielleicht als Wahrheit anzusehen, die nicht unsere ist! Es mag sein, dass die Wahrheit „Die Ehe ist heilig“ für andere so stimmt, aber für mich nicht. Weil ich ein anderes Bild von der Ehe habe oder eine andere Deutung für heilig.

Diese Sätze kritisch zu betrachten und sich von Fesseln zu lösen ist oft ein sehr intensiver Prozess. Ein Coaching ist ein Ort, in dem solche Prozesse geführt werden können. Achtsamkeit ist eine Lebenshaltung, die es erleichtert, Verhaftungen liebevoll zu verabschieden. Denn das Erlernen von wertfreiem Anschauen (und Achtsamkeit ist nichts anderes als Aufmerksamkeit ohne zu werten), ist wie eine offene Tür hin zu innerer Befreiung. Wenn ich nicht immer alles in eine bewertende Schublade stecken muss, sondern alles an Gefühlen und Gedanken erst einmal annehme und nicht verurteile – weder den Gedanken, das Gefühl, noch mich selbst als Fühlende oder Denkende – wird das Leben leichter. Ich werde barmherziger und gnädiger 😉 Mit mir selbst und meinem Umfeld.

Ob mein Coaching etwas mit Achtsamkeit zu tun hat? Ja! Auch wenn meine Coaching-Klienten nicht auf dem Meditationskissen sitzen. Und ich eine Coaching-Sitzung nicht mit Ohmmmm eröffne 🙂

Die Lehre der Achtsamkeit ergänzt viele Ansätze meiner systemischen Coachinghaltung. Mein Menschsein hat sich durch beides verändert.

Da ich immer wieder viel zur Achtsamkeitslehre gefragt werde, mache ich mittlerweile Workshops dazu, halte Vorträge UND habe etwas entwickelt, was DIR helfen kann (oder deiner Freundin, deinem Schwager, Chef, Kollegin…) etwas über diese Haltung zu erfahren und sie einzuüben. Der One-Year-Letter. Ein Jahresprogramm per Email, das dir 52 Wochen lang je einen Impuls schickt. Eine Übung. Etwas Wissenswertes. Und der erfreut sich einer gewissen Beliebtheit und geht deshalb am 15.6. in die nächste Runde… ja, mein Coaching, meine Arbeit – die haben etwas mit Achtsamkeit zu tun…

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5 Gedanken zu “in eigener Sache: Coaching & Achtsamkeit. Über Glaubenssätze und Anhaftungen

  1. Beobachten, ohne zu bewerten. Den Mund halten, nichts kommentieren, nur wahrnehmen was passiert. Ich übe mich darin jeden Tag und bin deshalb oft ein wenig gesprächiger Tischnachbar. Mit Leuten, die nicht bewerten kann man nicht lästern.

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  2. Hallo Annette,
    zwar liegt dieser Beitrag schon ein Jahr zurück, doch ist es ein immer wieder gegenwärtiges Thema. Ich finde deine Worte besonders zu den „vermeintlichen Wahrheiten“ wirklich toll. Es ist ein guter und auch recht einfacher Ansatz, sich selbst zu hinterfragen und seine Gedanken zu überdenken. Denn solche vermeintliche Wahrheiten, wirken sich auf unser Verhalten aus, dass oft ungerecht ist, weil wir eben an Dinge glaube, die sich in unserem Kopf manifestiert haben. Ich finde es gut und richtig Menschen darauf aufmerksam zu machen!
    Ich habe in meinem Blog auch zu diesem und weiteren Themen geschrieben. Vielleicht magst du ja mal vorbeischauen: https://www.bach-blueten-portal.de/bachblueten-blog/mbsr-stressbewaeltigung-durch-achtsamkeit/
    Würde mich freuen 🙂
    Liebe Grüße!
    Henriette

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