Muße – wenn Zeit wertfrei wird und Nichtstun zum Geschenk

Heute morgen habe ich mich um 7 Uhr 10 auf die Couch gesetzt. Im Schlafanzug, mit Teetasse, Decke und einer Zeitschrift. Stille in der Wohnung, der aufgehende Tag draußen. Kinder – dank einer Bauphase im Schienennetz der S-Bahn-Linie – früher als gewohnt aus dem Haus. Und dann? Mußestunde!

Eine Weile waren sie sehr selten. Es fehlte die Zeit. ? Oder vielleicht das Bewusstsein dafür, wie wichtig doch diese Stunden / Zeiten sind. ? Vielleicht auch die Genussfähigkeit. ? Ja, wenn ich ehrlich bin vielleicht eine Mischung aus all dem. Denn eigentlich ist mir doch seit Jahren klar, wie wichtig diese Zeiten für mich sind. Mußestunden. Zeit für mich. Mit mir allein. Meinen Gedanken, Themen und – was und wem eigentlich – nachhängen. Nichtstun. ? Ja und nein. Was für mich meine Mußestunden kennzeichnet ist das Nichtproduktivsein. Nicht meine Zeit an der To-Do-Liste orientieren. Nicht darauf achten, ob mir diese oder jene Tätigkeit oder Lektüre etwas bringt. Komischerweise bringen gerade diese Stunden dann total viel! An Zufriedenheit, an Inspiration, an Flow – nicht im Sinne von Arbeitsflow, sonder Lebensflow, Genußflow, Lustflow.

Im letzten September bekam ich das Buch „muße. Vom Glück des Nichtstuns“ des Autors Ulrich Schnabel geschenkt. Der Titel sprach mich sofort an, aber der Gedanke „Wann soll ich das denn lesen“ stellte sich unmittelbar ein und sorgte dafür, dass das Buch auf einem Stapel landete. Mich sprechen öfter Titel an 🙂 Vor ein paar Wochen dann, im Rahmen einer Phase vom leichter Erkältung und der Notwendigkeit von innerer und äußerer Ruhe nach viel Arbeit und einer Umbauphase, nahm ich eines morgens das Buch zur Hand. Mit Frühstück im Bett und ohne Zeitdruck kam es zur ersten Mußestunde seit langem. Vielleicht war es ein Glück, dass dieses Buch auf mich wartete? Vielleicht brauchte es auch einfach nur den richtigen Moment, die leicht geöffnete innere Tür für dieses Thema. Gerade heute morgen ist mir wieder bewußt, welche Kraft und positive Wirkung solche Zeiten haben! Nach einer vollen Woche, einem wunderbaren, aber menschen- und gesprächreichen Wochenende und vielen, vielen wichtigen Aufgaben im Berufs- und Privatleben, ist eine echte Mußestunde, zweckfrei und ohne Auftrag wie eine Stunde Urlaub. Ist befreiend und anregend zugleich. Und ausgleichend. Und so wertfrei, dass der Tag selbst wertfrei und positiv wird. Oder werden kann.

Ich bin froh und dankbar, dass ich zur meiner Kultur der Muße zurück gefunden habe. Und mit einem lieben Gruß an Iris: gerne auch morgens, ungewaschen, im Schlafanzug, nochmal ins Bett gekuschelt. Und vielleicht verbunden mit einer kleinen Zusatzrunde Schlaf nach einer wohltuenden Lektüre. Für mich kommt Muße oft mit Lektüre. Und bei dir? Was sind Mußestunden für dich? Womit verbringst du sie? Musik? Natur? Es ist eine spannende und wichtige Frage, auf die sich Antworten oder Ideen für Antworten lohnen! Ich bezeichne mich selbst als Entschleunigungsfan. Entschleunigung gelingt durch Muße. Mußestunden sind Geschenke im Alltag. Schenkender und Beschenkter bist gleichermaßen du selbst.

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